Die Südostschweiz, Ausgabe Glarus, Dienstag, 18. April 2017
Musik an der Spitze der Pyramide
Das preisgekrönte Ensemble Pyramide, gegründet von der Glarner Cellistin Anita Jehli, ist regelmässiger und beliebter Gast in der evangelischen Kirche Schwanden. Am Karfreitag bot es ein klangfarbenreiches Konzert.
von Swantje Kammerecker
Das Bild der Pyramide passt in mehrfacher Hinsicht: Akrobaten stellen sie als lebendige Figur dar, als geometrischer Köper ist sie durch harmonische Proportionen und eine standfeste Basis gekennzeichnet. Und die verschiedenen Seitenansichten – entsprechend den wechselnden Instrumentalbesetzungen – bieten unterschiedliche Klangvariationen: Vom Cello (Anita Jehli), der Viola (Muriel Schweizer), der Violine (Ulrike Jacoby), der Flöte (Markus Brönnimann) und der Oboe (Barbara Tillmann) bis zum Cembalo (Margarete Kopelent) stehen sechs Instrumente zur Verfügung, und mit ihnen sechs solistisch wie kammermusikalisch versierte Musikerinnen und Musiker.
Gleichwohl die Pyramide schon 25Jahre besteht, bringt sie immer wieder neue spannende Werke ins Spiel. Unter anderem machen die Arrangements, und heuer in Schwanden auch eine Komposition des Flötisten Markus Brönnimann, das Repertoire einzigartig. Sein zweisätziges Quartett von 2016 mischt die Klangfarben eines Streichtrios gekonnt mit denen der selten gehörten Alt-Querflöte (besonders apart zusammen mit der Viola in ähnlicher Stimmlage) und der Sopran-Querflöte. Aufhorchen lässt auch das von Brönnimann instrumentierte Andante F-Dur KV 616, ursprünglich komponiert für «eine kleine Orgelwalze», hier mit Flöte, Oboe, Bratsche und Violoncello farbig und lebendig musiziert – es hätte sicher auch seinem Schöpfer Mozart gefallen!
In Louis-Gabriel Guillemins Quartett in d-Moll und der zweiten «Recréation de Musique» von Jean-Marie Leclair sind die Eleganz, das virtuose und spielfreudige Konzertieren zu bewundern. Ein empfindsames gemeinsames Ausgestalten, und der herrliche «Ballwechsel », wenn eine Stimme das Thema der nächsten zuspielt, erfreuen.
Leclair schafft es gar, nur mit Saiten und Blasinstrumenten einen entfesselten Tambourin-Tanz darzustellen. Alle Instrumente vereinigen sich zur Schlussdarbietung von Arcangelo Corellis Concerto Grosso c-Moll: Festliche Klangpracht und -fülle, und immer wieder ein auffallend virtuos konzertierendes Violoncello. Anita Jehlis Finger bewegen sich so schnell, dass das Auge kaum mitkommt, der ganze Körper schwingt zur Musik – zur Rechten der Cellistin stehen die Bläser, zur Linken die hohen Streicher, das Cembalo als Basso Continuo hinter sich, ein beeindruckendes Ensemble.