Die Südostschweiz, Mittwoch, 15. April 2009

Ensemble Pyramide beweisst Vielseitigkeit

Klassik und Moderne, wie man sie sonst nicht zu hören bekommt: Am Karfreitag gastierte das Ensemble Pyramide in der evangelischen Kirche Schwanden.

von Swantje Kammerecker

Joseph Haydn ist ein fester Wert im Repertoire des Ensembles. Doch erklingt er hier oft anders als gewohnt. Es ist schon kühn, das meisterhafte Streichquartett op. 20 Nr. 2 mit Querflöte zu besetzen. Oder etwa ein Notturno für zehn Instrumente auf fünf zu reduzieren. Markus Brönnimann, Flötist des Ensembles, instrumentiert die Werke für das Ensemble neu und inspirierend. Die Unisono-Passagen etwa klingen noch schillernder, das eigenwillige Capriccio aus dem C-Dur-Quartett noch eindringlicher, wenn der punktierte Rhythmus von der Flöte mitgetragen wird. Doch es erfordert natürlich einen hohen technischen und musikalischen Stand, um etwas eine rasante Fuge "a quattro sogetti" in dieser Besetzung mit nonchalanter Zurückhaltung zu beginnen und um den Kick der Schlusssteigerung so richtig auszukosten.

Nebst der Klassik widmet sich das Ensemble Pyramide auch der Romantik und der Moderne. In seiner Besetzung ist es prädestiniert für französisch-impressionistische Werke. Doch die gibt es nur in begrenzter Zahl. Aus Gabriel Piernés "Album pour mes petits Amis" für Klavier hat Markus Brönnimann ein kleines Meisterwerk für Mini-Orchester gemacht. Ob ein schlichtes Lied, eine entfesselte Farandole, eine Pastorale oder ein Marsch für Zinnsoldaten - plastisch treten die Klänge hervor, wobei nicht nur Violine, Viola, Cello, Harfe, Flöte und Oboe, sondern auch Varianten wie Englischhorn und Piccolo zum Einsatz kommen und die Harfe als Perkussionsinstrument eingesetzt wird.

Im Mittelteil des Konzerts kommt das zweisätzige Werk "Nacht" op. 19 der Glarner-Komponistin Trudi Strebi zur Aufführung. Auch sie spielt fantasievoll mit dem vielseitigen Klangspektrum des Ensembles und lotet dessen Möglichkeiten aus. Am Anfang werden Viola und Oboe, das zupfende Cello und die Harfe sowie Flöte und Geige apart miteinander kombiniert. Die nächtliche, verzauberte Stimmung beschwört die Komponistin - selbst vielseitig ausgebildete Flötistin - mit fremdartigen Flötenklängen. Das Cello-Solo, ein Gesang aus Seufzermotiven, scheint der menschlichen Stimme nahe zu kommen. Die dramaturgische Verflechtung der Stimmen zeigt oft überraschende Momente. Da gibt es Ruhepunkte, dann wieder ein stürmisches Emporschiessen der Töne. Im zweiten Satz klingt auch Traditionelles an: Hier ein Wiegenliedrhythmus, dort gleichmässige Haltetöne wie Glockenschläge, zum Schluss hin gar einige Jazzharmonien. Strebi und Ensemble nahmen viel Applaus entgegen.