Bieler Tagblatt, Dienstag, 19. Juni 2007
Voll Spielfreude und sinnlicher Eleganz
Klassische Musik im „Gefängnis“: In St. Johannsen spielte das Ensemble Pyramide aus Zürich vor voller Kirche französische Musik.
von Daniel Andres
[…] Für das Konzert vom vergangenen Sonntag war die einst rekonstruierte gotische Kirche des ehemaligen Klosters St. Johannsen bis auf den letzten Platz besetzt, und zur Freude des Seelsorgers kamen auch ein Dutzend der Insassen und freuten sich an der französischen Musik aus Barock und aus dem musikalischen Impressionismus.
Fünf Frauen und ein Mann bilden das Ensemble aus einem Streichtrio (Ulrike Jacoby, Violine, Muriel Schweizer, Viola, Anita Jehli, Violoncello), der Harfenistin Jaël Bertschinger, der Oboistin Barbara Tillmann und dem Flötisten Markus Brönnimann. Dieser hat auch die meisten Werke für das Ensemble mit grossem Geschick arrangiert.
Vom Barockmeister François Couperin erklang zu Beginn eine Suite aus „Les Nations“, die der Französin („La Françoise“) gewidmet ist. Sie erklang als Trio von Oboe, Violine und Basso continuo, wobei die Harfe mit dem Cello den Continuo-Part übernahm im fast originalen Klanggewand, zwar auf modernen Instrumenten, aber stilistisch doch der historischen Aufführungspraxis angenähert. Voller Elan und Spielfreude und auch voll sinnlicher Eleganz, einerseits voller rhythmischer Spannung, andererseits auch gelöst in den Seufzermotiven, war es ein genussvoller Auftakt.
Von Maurice Ravel folgte „Le tombeau de Couperin“, eine Referenz an das barocke Vorbild, die Ravel sowohl als Klavier- wie als Orchestersuite hinterlassen hat. Hier wurde das Orchester auf sechs Instrumente reduziert, dafür aus der Klavierfassung die „Fugue“ hinzugefügt und das Resultat stimmte klanglich und atmosphärisch auch hier. Es sind hervorragende Musikerinnen, die sich in diesem Ensemble immer an etwas spezielle Werke oder Bearbeitungen davon heranwagen und das Resultat überzeugt voll und ganz. Neben den schönen Klanglegierungen etwas zwischen Oboe und Bratsche, überraschen auch die Streicher nicht nur mit technischem Können, sondern mit speziellen Färbungen des Klanges.
So fehlte auch den „Six épigraphes antiques“, die Claude Debussy ursprünglich für vierhändiges Klavier komponiert hat, nichts an klanglicher Raffinesse und Subtilität. Das Ensemble ist hervorragend aufeinander abgestimmt und kann sich scheinbar mühelos und wie aus einem Guss in den ständigen Tempoverschiebungen, den Beschleunigungen und Verzögerungen abstimmen.
Und schliesslich hatten die sechs Stücke aus dem „Album pour mes Petits Amis“ von Gabriel Pierné, den man vor allem noch als Orgelkomponisten kennt, ihren grossen Reiz. Es sind einfache3 Klavierstücke für Kinder, die der Flötist Markus Brönnimann mit Klangsinn und Witz – etwa der „Farandole“ oder dem kleinen Marsch der Zinnsoldaten am Schluss – bearbeitet hat.
Die berühmte „Pavane pour une Infante Défunte“ von Maurice Ravel bildete als Zugabe den etwas melancholischen, aber auch zärtlichen Schluss eines speziellen, aber sehr gefälligen Programms in einer etwas besonderen Umgebung.